Textfeld: THEMATextfeld: Revisionismus
In Auschwitz wurde niemand vergast.

Manchmal heißt kämpfen, im Blut stehen und schießen. Manchmal heißt kämpfen, losstürmen und zuschlagen. Aber manchmal heißt kämpfen, einfach nur zuhören und reden lassen. Und antworten.
Besonders neofaschistische Gruppen bauen auf eine Vielzahl von Mitläufern, deren ideologisches Weltbild nicht oder nur oberflächlich gefestigt ist. Diese werfen mit Parolen und Schlagwörter um sich, die ihnen ihre Anführer eingetrichtert haben. Von detailliertem Hintergrundwissen, auf dem sie etwa ihre Thesen stützen könnten, fehlt jede Spur. Diesem Phänomen begegnet der/die Antifaschist/in am Besten mit einem persönlichen Einzelgespräch, sofern dies irgendwie möglich ist.
Aber auch in allen anderen Situationen, in denen er mit nazistischem und faschistischem Gedankengut konfrontiert wird, stößt er immer wieder auf ein Problem: dem Revisionismus. Es ist dies die nachträgliche Umschreibung der Geschichte, der Versuch, mit Schein und Lüge die Gräuel der Nazis schönzureden.
In Auschwitz wurde in Wirklichkeit gar niemand vergast, die Engländer seien die Erfinder der KZs, Operation „Barbarossa“ war ein Präventivkrieg. Solche und ähnliche Phrasen findet der/die Antifaschist/in zuhauf in diversen Chatrooms und sieht sich scheinbar unwiderlegbarer Fakten gegenübergestellt. Wir legen somit jedem nahe, sich mit historischem Wissen auseinanderzusetzen, um faschistischen Lügen Paroli bieten zu können. Denn qui tacet consentit – wer schweigt, stimmt zu.
Auf einige weit verbreitete möchten wir kurz eingehen. Sollten Fragen diesbezüglich oder zu anderen Unwahrheiten bleiben oder auftreten: antifa-meran@hotmail.com

„Hitler war ein begabter Ökonom, er baute Autobahnen und senkte die Arbeitslosigkeit.“

Selbst wenn diese Aussage richtig wäre – ist sie aber nicht -, was bewiese sie? Ist ein Mörder unschuldig, nur weil er ein ausgezeichneter Architekt ist? Es wäre keine Entschädigung für seine Verbrechen.
Die Autobahnen sind keine Erfindung Adolf Hitlers. Auch in allen anderen Industrienationen wurden Pläne für ein Autobahnnetz verfolgt, wie die Mailänder Autostrada (1922/23 gebaut) und die amerikanischen „Highways“ beweisen. Auch im Deutschland der Weimarer Republik gab es solche, schon 1927 war ein umfassender Entwurf dafür ausgearbeitet worden. Einzig wirtschaftliche Rezessionen verhinderten eine schnelle Realisierung.
Unbestritten: Von 6-7 Mio. Arbeitslosen 1932 sank die Rate auf 4,8 Mio. 1933 und 1 Mio. 1937. Was aber dahinter steckte, war ein reiner Taschenspielertrick. Mittels eines Ehestanddarlehens wurden Frauen aus der Produktion „freiwillig“ entlassen, Löhne wurden gekürzt, die freie Wahl des Arbeitsplatzes abgeschafft. Unzählige Industriearbeiter mussten 1934 in die Landwirtschaft zurückkehren. Die Rekrutierung von Freiwilligen und die allgemeine Wehrpflicht 1935 taten das Übrige. Gleichzeitig ging es dem Großteil der Bevölkerung aufgrund gekürzter Löhne schlecht.

„Operation „Barbarossa“ war ein reiner Präventivkrieg, um dem Überfall der UdSSR zuvorzukommen.“

Dieser Lüge wird oft Glauben geschenkt, auch weil Stalin ein unbestritten grausames Terror-Regime führte. Nichtsdestotrotz wurden Stalins „Systemkonflikt“ und seine Rede vom 5. Mai 1941 falsch interpretiert und übersetzt.
Noch am 13. April 1941 demonstrierte er seinen Wunsch auf Verbesserung der deutsch-sowjetischen Beziehungen nach der Unterzeichnung des Neutralitätsabkommens mit Japan. In Anwesenheit des deutschen Militärattaché Oberst Krebs sprach er sich für eine Freundschaft mit Deutschland aus. Zu diesem Zeitpunkt war Hitlers Überfall schon beschlossene Sache: Am 5. August 1941 wurde der „Operationsentwurf Ost“ abgeschlossen und vorgelegt; er war Grundstock für die Akte „Barbarossa“.
Bis zuletzt wollte die sowjetische Führung unter Stalin nicht an einen deutschen Angriff glauben. Dies belegt die Tatsache, dass die UdSSR bis zuletzt den deutschen Rohstofflieferungen peinlich genau nachkam. Die letzte Lieferung erreichte Deutschland, als die Wehrmacht die Grenze schon überschritten hatte. Bis zuletzt weigerte sich Stalin gegen eine Mobilmachung: „Es wäre doch sicherlich eine formale Kriegserklärung vorangegangen, wenn hier Krieg gemeint war. […] Schließlich sei Hitler doch nicht irgendein Straßenräuber.“

„Die Engländer sind die Erfinder der KZs.“

Oft taucht jenes echte Dokument auf, das die Existenz von „concentration camps“ in Südafrika belegt, die den Engländern zur Internierung der aufständischen Buren dienten. Doch diese können in keiner Hinsicht mit den deutschen KZs verglichen werden. In ihnen wurden ausschließlich Menschen zusammengezogen – konzentriert – um sie besser unter Kontrolle zu haben. Gleiches gilt auch für amerikanische Lager im zweiten Weltkrieg. Die Bezeichnung „Konzentrationslager“ sollte über die wahre Natur hinwegtäuschen und sie als reine Umsiedlungslager erscheinen lassen.
Keines der in der Geschichte häufig auftretenden Internierungslager diente hingegen zur physischen Vernichtung von Millionen von Menschen, wie sich dies Hitler zum Ziel gesetzt hat.

Sehr hilfreich ist folgende Lektüre, die als Quelle für diese drei Ausführungen diente: „In Auschwitz wurde niemand vergast – 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt“ von Markus Tiedemann, erschienen im Verlag an der Ruhr.
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Des Menschen höchstes Gut ist seine Menschlichkeit.

 

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